Kriegsgefangenenlager Arnoldsweiler

Stalag Arnoldsweiler
(von Helmut Krebs) 

Alle Kriegsgefangenen waren dem Oberkommando der Deutschen Wehrmacht unterstellt. Die Basis des Kriegsgefangenenwesens bildeten die sog. „Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager“, abgekürzt Stalag.

Das Deutsche Reich war militärisch in 17 Wehrkreise unterteilt. Die Stalags erhielten die Ziffer ihres Wehrkreises und in der Reihenfolge ihrer Aufstellung einen Großbuchstaben. In den 17 Wehrkreisen gab es 1941 insgesamt 80 Stalags. Unsere Region gehörte zum Wehrkreis VI mit insgesamt 9 Stammlagern. Das Stalag Arnoldsweiler hatte die Bezeichnung VI H und konnte durchschnittlich 10.000 Kriegsgefangene aufnehmen. Das im Reichsgebiet größte Stalag in Münster war für ca. 100.000 Gefangene eingerichtet.

Das Kriegsgefangenenlager in Arnoldsweiler (Stammlager VI/H) nahm polnische und französische Gefangene sowie in einem besonders abgezäunten Bereich überwiegend arbeitsunfähige russische und ukrainische Gefangene auf. Seit Beginn des Russlandfeldzuges (Unternehmen Barbarossa) wurden 5,7 Millionen sowjetische Kriegsgefangene interniert. Grundsätzlich sollten diese aufgrund ausdrücklicher Befehle des OKW unter äußerst schlechten Verhältnissen gehalten werden und nur die notwendigste Verpflegung erhalten. Die Sterberate lag dementsprechend hoch.

Dazu kam –gemäß der Auffassung von einem deutschen „Blitzsieg im Osten“- dass eine sorgfältige Vorbereitung und Organisation für Unterbringung und Versorgung der in großer Zahl ankommenden russischen Gefangenen unterblieb, das heißt die Lager waren vollkommen unvorbereitet.

Die russischen Soldaten wurden in der Industrie und im Bergbau eingesetzt und nach ihrem Arbeitseinsatz unterernährt und entkräftet in die Stalags und somit auch nach Arnoldsweiler transportiert. Zeitzeugenberichten zufolge starben hier täglich acht bis zehn Menschen unter grausamen Umständen. Die Gefangenen waren willkürlichen Behandlungen unterworfen und wurden zu jeder Arbeitsleistung unter Menschen verachtenden Bedingungen gezwungen. Die sowjetischen Kriegstoten des Stalag VI/H wurden in namenlosen Massengräbern auf einem Feldfriedhof in der Merzenicher Heide (gelegen zwischen Ellen und Merzenich) beerdigt bis zur Auflösung des Lagers im Herbst 1944. In den 1960er Jahren erfolgte die Exhumierung der Toten und die Umbettung der sterblichen Überreste auf einen Soldatenfriedhof bei Rurberg (Gemeinde Simmerath). Über 1600 verstorbene ehemalige russische Kriegsgefangene wurden gefunden. Aber es waren längst nicht alle Opfer. Zeitzeugen berichten, dass viele nicht in der Merzenicher Heide begraben wurden, sondern sie wurden auf Lastwagen geladen, um sie irgendwo zu verscharren.

Eine Identifizierung ist nicht möglich, da Todesfälle von Kriegsgefangenen und russischen Zivilarbeitern nicht bei den deutschen Standesämtern beurkundet werden durften.

Bekannt ist, dass von den 5,7 Millionen in deutsche Hand gefallenen sowjetischen Soldaten fast 60 Prozent den Tod fanden.

Die Aufarbeitung der Geschichte des Stammlagers Arnoldsweiler, der konkrete Nachweis über dessen Nutzung und Belegung ist heute nur noch bedingt möglich, da kaum Unterlagen erhalten geblieben sind. Viel Material ist auch vor dem Einmarsch der alliierten Truppen befehlsgemäß vernichtet worden, wichtige Unterlagen gelangten wohl bis zum Kriegsende in das Heeresarchiv in Potsdam. Bei einem schweren Luftangriff am 14. April 1945 sind diese Bestände allerdings größtenteils vernichtet worden.

Auf der Merzenicher Heide befindet sich heute eine kleine Gedenkstätte mit einem Hochkreuz.

In Arnoldsweiler erinnert eine Granitstele des Künstlers Ulrich Rückriem an das ehemalige Stammlager.

Peter Makucewicz   
I escaped from Germany, London 1944

Schilderung eines Polen, der 1939 in deutsche Gefangenschaft gerät und im Januar 1942 in ein Straflager nach Morscheinich kommt. Von dort wird er mit etwa 20 weiteren Gefangenen Anfang Februar 1942 in das Stalag VI H Arnoldsweiler gebracht.

"Bei unserer Ankunft sahen wir keine Gefangenen, sondern Geister, die sich durch den Schnee schleppten, umhergestoßen und bei jedem Schritt mit Gummiknüppeln traktiert. Das einzige Ziel war, diese Menschen so schnell wie möglich umzubringen. Jeder Wachmann war mit einem weißen Gummiknüppel ausgerüstet und es waren speziell ausgesuchte Menschen. Sie schlugen ohne Herz oder Gewissen und nur zu oft töteten sie.

Wir wurden in Einzelzellen gesteckt. Eis an den Wänden, Eis an der Decke und Eis auf dem Boden. Jeder bekam abends eine Tasse Kaffee und 330 g Brot. Ich betete Gott um Hilfe an und legte mich schlafen. Durch die Kälte wurde ich um Mitternacht wach. Ich ging zwei Schritte nach vorn und zwei zurück, um mich warm zu halten. Das hielt ich bis zum Morgen durch. Dann gab es Kaffee und sonst nichts. Dann ging ich wieder rauf und runter, abends wieder Brot und Kaffee, einige Stunden Schlaf und dann lief ich wieder stundenlang durch die Zelle.

So ging es tage- und wochenlang. Schließlich brach ich zusammen und lag unfähig mich zu bewegen auf dem Stroh. Nur ein starker Glaube hielt mich am Leben. Nach einigen Tagen wurde mir Brot und Suppe durch das Fenster gereicht. Die Polen gaben das Brot, die Russen die Suppe. Unter Lebensgefahr gab mir ein kleiner 18-jähriger Russe fast täglich ein Kochgeschirr voll Suppe. Er hatte die Suppe vom Koch erbettelt, sie stank, aber sie rettete mein Leben.

Die sowjetischen Gefangenen starben wie die Fliegen. Sie wurden täglich in hölzerne Kisten abgelegt und in namenlosen Massengräbern beigesetzt.

Im Nachbarlager schlugen die Deutschen 30 Gefangene im Laufe eines einzigen Tages mit Stöcken zu Tode. Auch in Arnoldsweiler gab es täglich Opfer des brutalen Wahnsinns des Militärs. Das Leben war in diesem Lager so wenig wert, von so minderwertiger Qualität."

Wir suchen!!!

Wir möchten von dieser Stelle einen Aufruf an alle Bewohner der Ortschaften der Gemeinde Niederzier starten. Wir suchen für unsere Projekte noch aktive Mitstreiter. Wer hat Lust sich mit den jeweiligen Dorfgeschichten auseinanderzusetzten? Das Alter spielt dabei keine Rolle. Wer möchte uns mit seinen Ideen weiterhelfen? Wer möchte frischen Wind in unsere Gemeinschaft bringen? Auch Zugezogene sind herzlich Willkommen!!! Unsere Ortschaften bieten so viel unerforschte Geschichte, dass für jeden die Möglichkeit besteht, sich auf seinem Interessengebiet einzubringen.

 

Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben, kontaktieren Sie uns!!!

Hier finden Sie uns

Geschichtsverein in der Gemeinde Niederzier e.V.

"Rentei"

Rathausstraße 8

52382 Niederzier

Kontakt

Geschichtsverein in der Gemeinde Niederzier e.V.

Robert Engelmann (Schriftführer)

Grüner Weg 17

52382 Niederzier

 

Oder nutzen Sie unser

 

Kontaktformular

 

Wir sind um eine rasche

Antwort bemüht.

Die nächsten Termine

08.08.2017 - 18.00 Uhr 

Vorstandssitzung - Rentei (Niederzier)